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Staunen, nichts als
staunen
China als Reiseland Eben bin ich aus dem Reich der Mitte heimgekehrt, das ich für meine im Mai und Juni 2008 stattfindende erste RRR Chinareise besucht habe. Es fällt mir nicht leicht, die unerhört vielseitigen Eindrücke zu ordnen. Und schwieriger noch, meine Begeisterung nicht überborden zu lassen. Denn mein aus eigenem Augenschein gewonnenes Bild von China widerspricht weitestgehend demjenigen, das uns während der Jahrzehnte des Kalten Krieges bis zum Untergang der Sowjetunion von China eingeimpft wurde. Ni hao! «Ni hao» heisst soviel wie «Guten Tag». Begrüßen wir mit diesen zwei Worten ihrer Sprache die Chinesen, so reagieren mindestens zwei von drei von ihnen mit einem erfreuten Lächeln. Unser Versuch, sie chinesisch anzusprechen, kommt gut an. Die Freundlichkeit der Menschen ist groß. Die Möglichkeit, sich mit Chinesinnen oder Chinesen zu unterhalten, ist allerdings sehr gering. Ihre Lautsprache mit den vier Tonhöhen für ein und dieselbe Silbe ist uns extrem fremd. Und erst recht hilflos stehen wir vor der faszinierenden Vielfalt und Komplexität der chinesischen Schriftzeichen. Englisch oder Deutsch wiederum spricht naturgemäß nur ein kleiner Teil der chinesischen Bevölkerung. In den Touristenvierteln und herausgeputzten Innenstädten flaniert der chinesische Mittelstand nicht anders durch die Strassen als bei uns um einzukaufen oder sich in der Kneipe zu treffen. Der Umgang der Eltern mit den Kindern ist sehr liebevoll, und die Kids schauen häufig mit besonderer Neugier auf uns Fremde. Die Menschen der unteren Schichten hingegen – man sieht sie z.B. schwere, zweirädrige Karren über die Bahnperrons schleppen – arbeiten hart für karges Geld. Aufbruchstimmung und grandioses Erbe Es scheint, dass China mit einem Hochgeschwindigkeitszug Richtung Zukunft braust. Ich kam häufig ins Staunen, was da an Hochhäusern, Wohnsiedlungen, oft sehr eleganten und riesigen Brücken, an Straßen und neuen Bahnstrecken gebaut wird, auch an Kaufhäusern und auch Hotels, denn der Tourismus – übrigens durchaus auch der innerchinesische – nimmt rasant zu. Wie in der ganzen Welt, durchfährt die Eisenbahn auch im Reich der Mitte in den Städten eher die Gebiete der ärmeren Menschen als die Villenviertel. Und da sieht man denn da und dort extrem schäbige «Wohnquartiere» von Leuten, an denen das Wirtschaftswunder bis anhin vorbeigegangen ist. Doch einige hundert Meter weiter spürt man schon wieder die allgegenwärtige Aufbruchstimmung. Sie hindert China übrigens nicht sein kulturelles und vor allem bautechnisches und künstlerisches Erbe zu hegen und zu pflegen. Selbst wer mit Architektur und Baukunst nichts anfangen kann, wird aus dem Staunen und der Bewunderung nicht herauskommen, wenn er etwa über die chinesische Mauer kraxelt (was ganz schön anstrengend ist), wenn er die unzähligen Paläste der verbotenen Stadt besucht oder prächtige Tempel oder wunderbare Buddhagrotten oder historische Parkanlagen. Allerdings reduziert der rasch anwachsende Massentourismus den Zweck des Besuchs gewisser Orte auf eine sinnentleerte Pflichterfüllung. Großartige Landschaften Bei den meisten Chinareisen werden die Passagiere in dem riesigen Land per Flugzeug zwischen den großen Städten hin- und hergeschleust. Das ist außerordentlich schade, denn so bekommen sie kaum etwas mit von der enormen Vielfalt und Schönheit chinesischer Landschaft. Riesenfelder wechseln mit kleinsten, bewirtschafteten Parzellen im Hügelland ab, endlose Ebenen stehen gewundenen Flußläufen und dicht bewaldeten Vorgebirgen und majestätischen Bergen gegenüber, alles häufig von der Sonne in pastellfarbenes Licht getaucht – und dies in einer kolossalen Ausdehnung, die uns immer wieder staunen lässt. Bei etlichen der großen Städte, ja bei ganzen Regionen mit viel Industrie dürften die verfließenden Farbtöne allerdings weniger klimabedingt zu erklären sein, als vielmehr durch Abgase aller Art. Spektakuläre Bahnstrecken Der Bau der kühnen Bahnlinie nach Tibet, einer Strecke von 1'140 km Länge in nicht einmal zehn Jahren hat in breiten Kreisen auch außerhalb Chinas das Interesse an der Eisenbahn im Reich des Drachens geweckt. In der Tat ist die rund 14-stündige Fahrt landschaftlich beeindruckend: während der Zug die riesigen, kargen, manchmal von Gewässern durchzogenen Hochebenen nutzend Lhasa entgegenbraust, grüßen meist in ziemlicher Entfernung die schneebedeckten Bergriesen. An spektakulären Kunstbauten weist dieser Gleisstrang nur zwei große Brücken und zwei längere Tunnels auf: die enorme Leistung bestand darin, ihn in einer Höhe von bis zu 5'070 Metern zu errichten und dies über weite Strecken auf Permafrostboden. Dies verlangte den Bau enormer Bahndämme und immer wieder von kilometerlangen stegartigen Brückenbauten, mal nur wenige, mal ein Dutzend Meter über dem unberechenbaren Boden. Trotz dieser Bravourleistung wirken andere Strecken des chinesischen Eisenbahnnetzes wesentlich spektakulärer: wenn sich etwa vor Xining die Züge in vielen S-Kurven und mindestens zwei Kehrdämmen in die Höhe schrauben, wenn sie später ostwärts stundenlang jeder Windung eine Flusses folgen, während die Gegenzüge auf einem neuen Gleis passieren, das mit viel weniger und viel weiteren Kurven durch ungezählte Tunnels und über ebenso viele Brücken führt, wenn auf einer Bergstrecke Richtung Chengdu zur Bewältigung der Steigung die Güterzüge vorne mit zwei modernen, elektrischen Doppellokomotiven à je 12 Achsen bespannt sind und hinten ebenso... Ein Blick in die Züge Die Tageszüge – in China bei den enormen Distanzen eher in der Minderheit – führen in der Regel nebst vielen Wagen harter Sitzklasse, was ungefähr der zweiten Klasse bei den europäischen Bahnen entspricht, auch einen oder einige Wagen erster Klasse, weiche Sitzklasse genannt. Schlafwagenzüge verfügen über entsprechende Klassen. Fernzüge verfügen oft über einen Speisewagen. Im Übrigen ist die Vielfalt der Züge so groß wie in Europa. Von raren, futuristisch angehauchten Expresszügen über eine enorme Zahl moderner Fernzüge bis hin zu bejahrten Provinzzügen ist alles anzutreffen. In älteren lassen sich die Fenster öffnen; moderne sind klimatisiert. Schlafwagen verfügen über mehr oder weniger öffentliche (Katzenwasch)-Gelegenheiten. Die Toiletten entsprechen nicht immer unseren Konstruktions- und Hygienevorstellungen... Der Kauf von Tickets und Platzreservationen ist erst 10 Tage vor einer Reise möglich. Da die bis zu rund 20 Wagen langen Züge vor allem in der harten Klasse oft sehr gut besetzt bis überbelegt sind, versucht die chinesische Eisenbahn die Fahrgastströme zu steuern. So verkauft sie den Passagieren Platzreservationen in der Regel nur für ausgewählte, einzelne Züge, und nicht für alle, die einen bestimmten Streckenabschnitt bedienen. Das Verstauen von Koffern und Taschen ist nicht immer ganz einfach: Platz für (gratis mitreisendes) Gepäck scheint auch bei den chinesischen Bahnen zu kostbar, als dass er reichlich angeboten würde. Fotografieren darf man chinesische Züge nach Belieben. Allerdings schränkt die Gepflogenheit der chinesischen Bahn, Personen nur kurz vor der Abfahrt und nur mit gültigem Ticket auf das Perron eines abfahrtsbereiten Zuges zu lassen, die zeitlichen Möglichkeiten ein: eher lassen sich ein paar Schnappschüsse bei der Ankunft eines Zuges knipsen. Wer es versteht, einem chinesischen Eisenbahner zu zeigen, dass man seine Arbeit schätzt und wer ihm Postkarten oder Fotos der Eisenbahn aus seiner Heimat zeigt, auf ein Detail der Aufnahme weist und sie ihm schenkt, darf damit rechnen, dass ihm ein spezieller Wunsch – z.B. das Öffnen eines Fensters oder der Zugang in einen Bahnhof – gern erfüllt wird, falls keine Dienstvorschriften verletzt werden. Gutes für den Gaumen und für den Schlaf Für uns Touristen ist besonders erfreulich, dass China in den mittleren und größeren Städten mit guten bis sehr guten 4-Stern- und – so vorhanden - hervorragenden 5-Stern-Hotels aufwartet. Als Gast darf man sich also bestens aufgehoben wissen. Einzig wer daheim auf weicher Matratze schläft, muss sich anfänglich etwas an die durchgehend recht harten chinesischen Matratzen gewöhnen. Auch die chinesische Küche entzückt. Zum Grundnahrungsmittel Reis, das während fast jeder Hauptmahlzeit serviert wird, gibt es jede Art von Fleischgerichten, ebenso Fisch- und Gemüsespeisen, alles schon zugeschnitten, jedes Gericht auf einer einzigen Schale präsentiert, und diese wiederum alle zusammen oft auf einer Drehplatte. So kann man sich exakt von denjenigen (zur Freude unserer Mägen praktisch allesamt gekochten) Speisen bedienen, die einem zusagen, und so viel oder so wenig davon nehmen, wie man will. Zum Trinken gibt es wahlweise Tee und Mineralwasser, aber auch Bier und je nach Restaurant Wein. Wer buchstäbliches «Fingerspitzen-Gefühl» hat, lernt mit den Essstäbchen zu essen, für die übrigen gibt’s Löffel und Gabel. Das CITS Team – unsere Reisespezialisten Anlässlich meines Besuches traf ich drei der Mitarbeiter des staatlichen chinesischen Reisebüros CITS, die mir tatkräftig zur Seite stehen, um die erste RRR Reise im Reich des Drachens in die Praxis umzusetzen. Die gut Deutsch sprechenden, sehr motivierten Mitarbeiter waren eine studierte Germanistin und zwei ihrer Studienkollegen, die nach ihrem Hochschulabschluss ihre erworbenen Sprachkenntnisse nutzten, um in die aufstrebende chinesische Tourismusbranche einzusteigen. CITS unterhält für fast jede Sprachregion Europas eine eigene Abteilung. Ich freue mich, dass eine Deutsch sprechende Mitarbeiterin oder ein Mitarbeiter unsere gesamte Reise begleiten wird. Die RRR Premierenreise nach China Was das Programm der RRR Premierenreise nach China vom Mai und Juni 2008 betrifft, so habe ich es aufgrund meines Besuchs, aber auch von Fahrplanänderungen am Anfang und vor allem gegen das Ende hin in einigen Punkten geändert und ergänzt. Für Beijing habe ich gleich zu Beginn einen Tag mehr eingeplant, damit wir die chinesische Mauer und die verbotene Stadt nicht am gleichen Tag besuchen müssen – das ist einfach zuviel. Fahrplanbedingt besuchen wir die alte Kaiserstadt Nanjing neu in einem Tagesausflug von Shanghai aus. Bei der Rückkehr von Lhasa (wo wir nun drei Nächte in einem der beiden schönsten Hotels logieren werden) – nach Beijing habe ich das Programm um zwei Tage erweitert: dies zum einen, damit wir die bautechnisch und landschaftlich besonders eindrücklichen Streckenabschnitte im Zug während des Tages bereisen können (ein «Muss» für jeden Bahnfreund!), und ferner um den Besuch in Xining und anstelle des vom Tourismus ruinierten Xian im Kleinod Luoyang möglich zu machen: die dortigen legendären Shaolin Klöster, eine Kampfkunst-Schulvorführung sowie die Buddhagrotten am Fluss Yi, nachts so schön erleuchtet wie ein Traum aus Tausendundeiner Nacht, machen den Besuch in Luoyang zu einem letzten Höhepunkt unserer Reise. China: wir kommen! Im krassen Gegensatz zu früher und teils noch heute verbreiteten Feindbildern über das Reich der Mitte wage ich nach meinen ganz persönlichen, sehr subjektiven Eindrücken klar die Aussage: «Es ist unmöglich, von China nicht begeistert zu sein!» August 2007 - Hans Peter Häberli Ergänzung: Richtiger Umgang mit der Höhe An dieser Stelle ein Wort über die großen Höhen über Meer in Tibet. Die Bahnreise ist dabei kein Problem, die Herausforderung ist die Höhe von Lhasa auf 3'650 Metern über Meer, das somit rund 200 Meter höher liegt als die Station Jungfraujoch. Bei Unsicherheiten über die Verträglichkeit dieser Höhe ist ein Besuch beim Hausarzt vor der Reise nach Lhasa dringend zu empfehlen. Denn er weiß, ob diese Höhe zuträglich ist oder nicht, und er kann, falls er es als sinnvoll erachtet, eines der beiden gängigen Medikamente verschreiben, die zur guten Verträglichkeit der Höhe beitragen. Im Übrigen heisst es in Lhasa, das Herz zu schonen: sich für alles Zeit nehmen, keine anstrengenden und sehr langen Besichtigungsprogramme zu unternehmen, nicht zu viel essen, wenig Alkohol zu trinken und nicht sehr heiß duschen. Was nun den Zug betrifft, der von Lhasa bzw. von Golmud (2900 Meter über Meer) aus bis auf 5'070 Meter klettert, so merkt man davon während der Fahrt nach meiner Erfahrung so gut wie nichts: der ganze Zug verfügt über einen gewissen Druckausgleich, vor allem aber verfügt jeder einzelne Wagen über zusätzliche Sauerstoffzufuhr. Ferner steht für jeden Passagier ein individuelles Sauerstoffgerät bereit, das unter seinem Sitz an eine weitere Sauerstoffzufuhr angeschlossen werden kann. Bei meinen beiden Fahrten habe ich allerdings praktisch niemanden gesehen, der dieses Gerät benutzt hat, was mir klar zu beweisen scheint, dass die speziellen Bahnwagen wirklich höhentauglich ausgerüstet sind... |
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